In einer Sage werden Mond und Sonne als Mann und Frau beschrieben, die immer zugleich am Himmel stehen.
Der Sonne ist der eheliche Gefährte nicht feurig genug, sie nimmt ihm seine mangelnde Leuchtkraft und Leidenschaft übel.
Schließlich schlägt sie ihm eine Übereinkunft vor:
Wer am nächsten Morgen als erster erwacht, soll fortan nur noch bei Tage scheinen, dem Schläfrigen, Trägen aber die Nacht gehören.
Lachend stimmt der Mond diesem Abkommen zu, und mit demselben lachenden Gesicht wacht er am nächsten Morgen als Zweiter auf.
Die Sonne hat den Sieg davongetragen und regiert von nun an den Tag, der Mond taucht erst am Abendhimmel auf und erhellt sanft die Nacht.
Doch beide bedauern längst, dass sie nun getrennte Wege gehen müssen und die eheliche Gemeinschaft zerstört ist.
Der Mond zieht bleich und traurig seine Bahn, der Sonne kommen am Abend, wenn sie am Horizont untergeht, oft blutrote Tränen.
Immer wieder versuchen sie, den Weg zueinander zu finden, sich - etwa um die Zeit des Neumonds oder bei Sonnenfinsternis - zu treffen.
Doch wenn sie sich am nächsten sind, fehlen ihnen die Worte zur Verständigung. Sie reden aneinander vorbei, bis ihre Bahnen sie wieder trennen.
Der Mond aber nimmt nach solchen Begegnungen jedes Mal vor Kummer ab bis zum Verschwinden, um sich nur langsam wieder zu erholen.